HOLD
14.05.-28.06.2026
Mahtola Wittmer (*1993 in Luzern, lebt und arbeitet in Luzern und Basel) präsentiert mit HOLD eine Ausstellung, in der sie Zustände der Beruhigung, des Flows, der Selbstregulation und der körperlichen Resonanz untersucht. Ausgehend von ihren bisherigen Recherchen zu Leistungsdruck, Optimierungszwang und gesellschaftlichen Erwartungen richtet Wittmer ihren Blick nun darauf, was dem permanenten Gefordertsein entgegenwirken kann. Für HOLD entwickelt sie in Zusammenarbeit mit Remo Helfenstein und Franziska Lauer eine sinnlich erfahrbare Raumsituation, in der malerische, zeichnerische und druckgrafische Elemente auf Textilobjekte und eine auditive Ebene treffen. Dabei versteht Wittmer Kunst nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als Ort, an dem Sicherheit, Selbstwahrnehmung und neue Formen von Handlungsfähigkeit entstehen können.
Mahtola Wittmer setzte sich in ihrer 2024 realisierten Ausstellung und Publikation intensiv mit feministischen Theorien zu Erwartungen und Ansprüchen an Frauen in unserer Gesellschaft auseinander. In ihrer neusten Schau untersucht Wittmer nun, was dem permanenten Gefordertsein entgegenwirken kann. Im Zentrum stehen Fragen nach der Wirkung gesellschaftlicher Einflüsse auf innere Prozesse, auf Körper und Nervensystem sowie danach, welche Formen Kunst finden kann, wenn sie nicht nur Analyse, sondern auch Praxis sein will.
Wittmer versteht Kunst dabei als einen Ort der Selbstregulation in einer Welt, die aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Sie sieht die Kunst als Zufluchtsort, jedoch nicht im Sinne des Versteckens, sondern als einen Raum, in dem Kraft geschöpft werden kann. Ein Raum, in dem sich Menschen sicher entfalten, Lust und Sinnlichkeit auskosten, mit sich selbst und Mitmenschen in Kontakt und in Resonanz treten können. Diese Erfahrung ist für Wittmer kein Rückzug ins Private, sondern die Voraussetzung, um sich für eine Gesellschaft einzusetzen, in der achtsam miteinander umgegangen wird und in der politisches und ökologisches Engagement für eine «gesunde» Welt möglich bleibt.
Für die Ausstellung entwirft Wittmer eine Raumsituation, die mit unterschiedlichen Sinnen erfahrbar ist. Malerische, zeichnerische und druckgrafische Elemente werden durch neue Techniken ergänzt, insbesondere durch Textilobjekte. Diese Soft Sculptures, die auf zeichnerischen Vorlagen basieren, lösen sich vom Blattpapier wie auch von der Leinwand und entwickeln sich zu dreidimensionalen Gegenübern. Während ihre bisherigen Arbeiten in Schwarz-Weiss-Tönen gehalten waren, arbeitet Wittmer neu auch mit kräftigen Farben. Diese Öffnung ist nicht nur formaler Natur, sondern verschiebt auch die Energie der Arbeiten hin zu unmittelbarer Präsenz und körperlicher Ansprache. Der Kopf dient ihr dabei als Motiv, um unterschiedliche Zustände und Emotionen zu transportieren. Neben dem dominierenden Oval interessieren sie neu auch freiere und offenere Formen. Der Kopf darf sich langsam auflösen. Gesten und Konturen erinnern dabei an Körperliches und Zellenartiges, an Übergänge und Zustände, in denen die Form nicht fixiert bleibt, sondern in Bewegung gerät.
Diese Formen und Gesten sollen sich von den Wänden des Ausstellungsraums in den Raum bewegen. Wittmer experimentiert mit Kissen, die sich dem menschlichen Körper anpassen lassen. Als inhaltliche Referenz dient ihr die Deep-Pressure-Stimulation, eine Methode, bei der gleichmässiger, sanfter Druck auf den Körper das autonome Nervensystem beruhigen und den Parasympathikus aktivieren kann. Dem Körper werden dabei Signale von Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.
Indem Besucher:innen Stoffobjekte am eigenen Körper mittragen, werden sie selbst zu einem performativen Teil der Ausstellung. HOLD ist somit nicht nur eine Abfolge von Betrachtungssituationen, sondern auch ein Angebot zur körperlichen Erfahrung und bewussten Selbstwahrnehmung im Raum. Neben den visuellen und sensorischen Ebenen tritt ein auditives Element hinzu: Der vom Musiker Remo Helfenstein kreierte Sound erweitert die Raumsituation um eine zusätzliche Schicht aus Resonanz, Rhythmus und Beruhigung. Auf jedem der drei Stockwerke tritt er in Dialog mit den Arbeiten von Mahtola Wittmer, ergänzt und erweitert sie und entfaltet sich, in drei Akte gegliedert, als Abfolge unterschiedlicher Stimmungen und Zustände für die Besucher:innen.
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